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Wimmelbild mit historischen Faschingsfiguren. Darunter gibt es turnende Teufel, rothaarige Hexen, eine braune Eule, eine Schönlarven-Figur mit dunklem Regenschirm und zwei normal gekleidete Kinder.

Wenn es in der Fastnacht wimmelt – Karneval Rituale und Figuren

Historische Karnevalsrituale und -figuren

Autorin: Kimberley Hoffman
Lesezeit: Ca. 7 Minuten

Dieser Artikel nähert sich der Geschichte der Karnevalkostüme nicht nur über Texte, sondern auch über Bilder – denn viele Bräuche, Rituale und Figuren lassen sich visuell besonders gut verstehen.

Fun Fact: Der Karneval ist bekannt als die fünfte Jahreszeit.

Kamele, Kostüme und Karnevalskultur

Bald wimmelt es in Deutschland wieder bunt und laut. Die Karnevalsvereine treiben ihr Schnabernacken mit bunten Kostümen und Kamelen, die von den Umzügen durch die Luft zu freudigen Händen fliegen.

Als ich noch in den USA lebte, träumte ich davon, in New Orleans den Mardi Gras zu erleben. Was für ein Fest. Da will man einfach mitfeiern und mitwimmeln.

Leider habe ich es bisher nicht geschafft, New Orleans in der Karnevalszeit zu erleben. Doch ich habe das Glück, in einer Region zu leben, die mit dem „nördlichsten Karnevalsumzug Deutschlands“ wirbt. Natürlich ist meine Nachbarstadt Braunschweig gemeint, die ich in ca. zehn Minuten mit der Bahn erreiche und dann bei den Jecken bin.

Genau hier setzt meine Arbeit an: Karnevalsgeschichte im Wimmelbild zu erklären bedeutet, historische Karnevalskostüme, Rituale und Figuren so darzustellen, dass man sie entdecken, vergleichen, verstehen – und genießen – kann.

Doch was sind die Hintergründe dieses deutschen Brauchtums, das viele Namen trägt? Karneval, Fasching, Fasnet – jede Region nennt diese Tradition anders.

Ausschnitt  aus dem Wimmelmalbogen „Die Saturnalien“. Römer feiern ausgelassen ein karnevalähnliches Erntefest mit Masken, Essen, Wetten und Rollentausch.
Manche vermuten, dass Karneval seinen Ursprung in dem römischen Erntefest der Saturnalien hat. 

Die „Sünde“ der Saturnalien – oder Fasching vor dem Christentum

Im Kindergarten und in der Schule wird von „Traditionen“ erzählt. Und mal ehrlich, sich zu maskieren ist aufregend. Für eine kurze Zeit kann man den öden Alltag von sich werfen und sich in ein anderes Wesen verwandeln.

Man vermutet, dass die deutschen Karnevalsbräuche ihren Ursprung in dem römischen Erntefest Saturnalien haben. Dafür gibt es jedoch keine konkreten Nachweise. Viele frühere Kulturen hielten kostümierte Feste zu Ehren ihrer Götter.

Während meiner Recherche habe ich etwas Spannendes entdeckt: Die ursprünglichen Saturnalien sind wegen des römischen Kriegstreibens mit der Zeit eingeschlafen, wurden aber aus einem Grund wiederbelebt: die römische Niederlage gegen die Karthager.

Hannibal

Hannibals Alpenüberquerung mit Elefanten war allerdings kein bunter, wimmeliger Karnevalsumzug, sondern ein Akt des Krieges. Rom erlitt schwere Niederlagen, die als Gottesstrafe verstanden wurden. Die wiederbelebten Saturnalien sollten die Götter besänftigen.

Die Verbindung zwischen den Saturnalien und die Wurzel des Faschings liegt im Rollentausch von Herren und Dienern. Während des Festes durften versklavte Menschen ihren Herren die Meinung sagen, sie verspotten und sogar rügen.

Maskiert sagt man schneller Dinge, die man von Angesicht zu Angesicht nicht sagen konnte oder wollte. Daran hat sich die Menschheit über die Jahrhunderte kaum geändert.

Gerade diese sozialen Spannungen und Figuren der „verkehrten Welt“ lassen sich besonders gut über Bilder erzählen – etwa, wenn Karnevalstraditionen visuell erzählt werden, mit Wimmelbildern für Museen und Bildungsorte.

Immer wieder »christliche« Karnevalstradtionen

Nachdem die christliche Kirche sich nach der Zeit Kaiser Konstantins gegen „heidnische“ Bräuche gewehrt hat, gerieten die Saturnalien wieder in Vergessenheit. Doch vermutlich lebten die Bräuche der Maskierung und des Rollentausches in anderen Formen weiter. 

Ausschnitt des Wimmelmalbogens des historischen Faschingsumzugs: Der Rottweiler Narrensprung. Das Wimmelbild zeigt die unterschiedlichen Larven des Narrensprungs.
Anfang des 20. Jahrhunderts fast ausgestorben und doch wiederbelebt: Der historische Rottweiler Narrensprung

Fasching, Fasten und Feiern

Im früheren Mittelalter gab es kirchlich geregelte Fastenzeiten. Die vorösterliche Fastenzeit war besonders lang 40 Tage! Weil die verderblichen tierischen Produkte wie Fleisch, Eier und Schmalz sonst verderben würden, gab es Festmahle mit gemeinsamem Essen und Trinken.

Wilde Feiern mit Ausschweifungen fanden statt und im späteren Mittelalter entwickelten sich regionale Schaubräuche mit Masken und Kostümen. Diese Bräuche führten dazu, dass die Kirche Fasching neu bewertete, um die Sünde sichtbar darzustellen. Die Fastenzeit galt als „Gottesstaat“ und die Fastnacht als „Teufelsstaat“.

Nach der Sünde der Karnevalszeit folgt die Versöhnung mit Gott, eine Zeit der Sündenbekenntnis und der seelenreinigende Neubeginn. (Wer von uns schätzt nicht einen Neuanfang?)

Der Karnivalsnarr

Der Narr stand als Sinnbild für die Sünde. Er konnte bösartig und gefährlich sein, und oft war er mit geistiger Beschränktheit oder Wahnsinn behaftet. Er war nicht das lustige Kerlchen, das wir, als moderne Menschen, mit Narrheit verbinden.  Er war Stellvertreter für die verkehrte Welt und Gottesleugner. Der Narr war eher ein Til Eulenspiegel als ein Clown.

Die Buntheit und Vielfalt der Masken und Narrenkostüme waren ein Aufstand gegen die Kleidungsnormen, die häufig für den niederen Stand sehr eintönig waren. Typische Narrendarstellungen zu Fasching waren laut und bunt, z. B. eine einen Hahnenkopf mit Schellen. Die Flecken an verschiedenen Kostümen stehen für das »befleckte Leben« — die Sünde des Narren.

Detailreiche Figuren machen Geschichte greifbar – ein Ansatz, der sich auch in meinen Kreativmaterial für Karneval in Museen und Ausstellungen wiederfindet.

Der Teufel

Der Teufel ist das Symbol des Bösen schlechthin, das jeder zu befürchten hat. Doch in einer Zeit, in der alles Kopf steht, durfte der Mensch seine eigenen dunklen Seiten ausleben.

Als Teufel konnten Karnevals- und Faschingsfeiernde ihre Ängste und Sorgen ausdrücken. Sie konnten ein Gefühl der Macht bekommen – die Macht über das eigene Leben, die Macht, den Mächtigen einfach endlich die Meinung zu sagen. Das ist befreiend.

Ich sehe Parallelen zu Social Media, wo wir – durch einen Bildschirm geschützt – laut werden, wenn wir uns hilflos fühlen – wie ein ewiger Karneval.

Die Hexe

Die Hexe wird als Verbündete des Teufels und als  Weltverführerin angesehen.

Doch die Stärke der Hexe ist Weisheit, Geheimnis und Magie. In diese Rolle zu schlüpfen gibt dem Träger oder der Trägerin eine geheime Macht in einer Welt, die der Mensch nicht kontrollieren kann.

Und wozu sind Kamele da?

Das erste Mal, dass ich Karneval in Braunschweig live zuschaute, flogen die Kamele über meinen Kopf. Ich lachte, als ich Kinder sah, die eifrig diese kleinen Bonbons aufgesammelt haben.

Die Kamele sind eine süße Gabe– die letzte Sünde vor dem Verzicht der Fastenzeit. Sie sind ebenfalls ein kleiner Trost, dass die fünfte Jahreszeit vorbei ist, und ein Versprechen, dass wir auf eine heile Welt hoffen dürfen.

Karneval entdecken und mitwimmeln

Nur für kurze Zeit: Meine Karneval-Wimmelmalbögen

Bei jedem Projekt verwandle ich interessante Fakten und Ideen in visuelle Erlebnisse, die begeistern und fesseln. Für Lehrende, Museumsmitarbeitende sowie meine Newsletter-Lesenden habe ich einen Karneval-Wimmelmalbogen zum kostenfreien Download vorbereitet.

Die Spielregeln und Nutzungsbedingungen

Dieser Download-Link ist zeitlich begrenzt und erlischt am Aschermittwoch, dem 18. Februar 2026. 

Das Ausmalbild darf ausschließlich für pädagogische, nicht kommerzielle Zwecke verwendet werden. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht gestattet. 

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